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Zukunftsforscher mahnt nachhaltige Strategien an

29.11.2011 15:34

Energieexperten treffen sich in Leipzig

Leipzig. Mit eindringlichen Worten hat Zukunftsforscher Rolf Kreibich gestern das fünfte Expertentreffen der Energiemetropole Leipzig eröffnet. Der Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin verwies auf die Schattenseiten der rasanten globalen Entwicklung. „Jeden Tag werden 81 Millionen Tonnen Kohlendioxid emittiert und 55 000 Hektar Tropenwald vernichtet“, so Kreibich. „Wenn dies so weitergeht, vernichten wir uns selbst.“
Grundlegende Defizite sieht der Professor bei langfristigen Handlungskonzepten und einem Denken in globalen Zusammenhängen. Dabei müssten die Verbesserung der Lebensqualität, die Erhaltung natürlicher Lebensgrundlagen sowie die Sicherung von sozialer Gerechtigkeit in einen Zusammenhang gebracht werden.
Solche Nachhaltigkeitsstrategien lassen sich aus Sicht von Kreibich durch eine konsequente Effizienzsteigerung, eine Förderung der Kreislaufwirtschaft, den Einsatz regenerativer Energien, aber auch eine Veränderung der Lebensweise erreichen. „Wenn der Golf 5 schwerer ist und mehr Benzin verbraucht als der Golf 1, kann das nicht zukunftsfähig sein“, nannte er ein Beispiel.

Mit Blick auf eine künftige Energiestrategie forderte der Wissenschaftler daher mehr Effizienz in allen Verbrauchsbereichen sowie den Einsatz nachhaltiger Zukunftstechnologien zum Beispiel beim Bau oder der Energiespeicherung. „Wir haben es noch nicht geschafft, etwas besseres als Pumpspeicherwerke aus dem 19. Jahrhundert zu entwickeln.“ Die meisten Gebäude könnten zudem den Energiebedarf um das Zehnfache senken.

Weiterhin hob der Zukunftsforscher die notwendige Dezentralisierung in der Energieversorgung hervor. „Wir brauchen keine 3600 Kilometer neue Starkstromleitungen“, so Kreibich. „Wir wollen Inseln bilden, die dann vernetzt werden können.“ Kreibich verwies auf das Modell energieautarker Kommunen. Ein regionales Energiemanagement werde immer wichtiger, so der Professor.

Diesen Gedanken haben die Leipziger bereits aufgegriffen. Das gestrige Expertentreffen wurde erstmals von der Wirtschaftsförderung Leipzig zusammen mit dem neu geschaffenen Verein Netzwerk Energie und Umwelt veranstaltet. Das Branchennetzwerk solle damit verbindlichere Strukturen erhalten und eine Plattform für möglichst viele Projekte sein, erläuterte Vereinsvorsitzender Winfried Damm, Generalbevollmächtigter der Stadtwerke Leipzig. Der Verein könne Kreativität, Ideen und Engagement der Unternehmen bündeln und den Wissens- und Technologietransfer befördern, betonte auch Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU). Als praktisches Beispiel für die weitere Entwicklung der Energiemetropole Leipzig führte er die Solardachbörse an, die ebenfalls gestern startete. Unter der Internetadresse www.energiemetropole-leipzig.de werden Dachflächen öffentlicher, gewerblicher oder privater Gebäude angeboten, die sich für die Installation von Solarstrom- beziehungsweise Solarthermieanlagen eignen. „Damit wollen wir einen aktiven Beitrag zur Wertschöpfung in der Region und zum Klimaschutz leisten“, sagte Albrecht.
Sabine Schanzmann-Wey

Quelle: LVZ vom 29.11.2011

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